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Geschichte der Kirchlichen Gassenarbeit Bern (KGB)

Wurzeln der Gassenarbeit

Erste Anfänge von Gassenarbeit gab es in den 1920er Jahren in Chicago/USA, wo die Soziologen Clifford R. Shaw und Mac Kay Konzepte für die Sozialarbeit in von Jugendbanden durchsetzten Stadtteilen aufstellten. In ihren Projekten wurde der Begriff Streetwork geprägt.

Erste Streetwork-Projekte in Europa entstanden ab den 1960er Jahren in Grossbritannien, den Niederlanden, Norwegen und Deutschland. Streetwork bzw. Strassensozialarbeit wurde so zum Begriff in der sozialpädagogischen Literatur.

In der Schweiz entstand ein erstes Projekt 1978 in Zürich und – bereits unter dem Eindruck der damaligen schweizweiten Jugendunruhen. 1980 in Basel ein zweites, das, angelehnt an das mobile Chicagoer Konzept, den Ausdruck Streetwork mit Gassenarbeit wiedergab.

In Bern bewogen die Jugendunruhen die Kantonalbehörden 1981 zur Einrichtung von Gassenarbeitsstellen in Bern und Biel unter Leitung der Stiftung Contact.

Anfänge der Kirchlichen Gassenarbeit in Bern

Ebenfalls wegen der Jugendunruhen bildete sich 1981 in Bern eine Kirchliche Arbeitsgruppe, welche ihre Erkenntnisse 1982 in einem Jugendbericht zusammenfassten. In dessen Thesen wurde die Einrichtung einer gesamtstädtischen kirchlichen Jugendkommission (JUKO) und der Gassenarbeit postuliert.

Nach der Bildung der JUKO rief diese 1984 einen Ausschuss Gassenarbeit ins Leben, in der auch eine Vertreterin der römisch-katholischen Kirche Einsitz nahm.

Bereits im November 1984 stellte der Ausschuss Gassenarbeit einen Gassenarbeiter und im Dezember eine Gassenarbeiterin an. Die 80%-Stellen wurden finanziert über Beiträge der reformierten Gesamtkirchgemeinde, Kantonalkirche und einzelner Kirchgemeinden der Agglomeration Bern.

Die beiden ersten kirchlichen Gassenarbeitenden, Axel Weisswange und Petra Kruger, nahmen umgehend ihre Tätigkeit auf, hauptsächlich in der Drogenszene, wo sie in Einzelberatungen Überlebenshilfe leisteten, Projekte für verschiedene Betroffenengruppen gründen halfen. Sie vernetzten sich lokal mit den Gassenarbeitenden der Stiftung Contact und anderen gassennahen Einrichtungen und national mit der Fachgruppe Gassenarbeit des Schweizerischen Vereins der Drogenfachleute (VSD).

Verein für Kirchliche Gassenarbeit Bern

1987 rief die ref. Gesamtkirchgemeinde die Kooperation der Kirchgemeinden der Agglomeration Bern (KOPRA) ins Leben. Aus ihren 20 Mitgliedern sowie der katholischen Gesamtkirchgemeinde bildete sich 1988 der Verein für Kirchliche Gassenarbeit Bern (KGB) als neue, ökumenische Trägerschaft für die Kirchliche Gassenarbeit.

In dieser Zeit der offenen Szenen war die KGB an der Durchführung wichtiger Projekte beteiligt, z.B. an der Schnellentzugseinrichtung Freier Fall und der Überlebenshilfsaktion Schänzli.

Bald zeigte sich, dass die Trägerbasis der KGB ungenügend war, da einerseits finanzielle Engpässe auftraten, andererseits viele Betroffene in der Gassenszene Bern aus der weiteren Region kamen. Der Vorstand der KGB erweiterte daraufhin die Trägerschaft auf über 60 Kirchgemeinden und kirchliche Institutionen; auf ökumenischer Ebene und über die Grenzen der KOPRA hinweg in die Region um Bern hinaus.

Auf dieser breiteren Basis konnten 1992 neu drei 60%-Stellen eingerichtet und – mit Blick auf die Präventions-Problematik um HIV/Aids sowie der Drogenprostitution – Gassenarbeit in geschlechtsspezifischer Differenzierung geleistet werden. Teilweise in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe, dem BAG und anderen entstanden Projekte für Frauen (Zeitschrift Mascara, LOLA 375, Mascara-Bus) und Männer (Freierprojekt, MSW-Projekt OASIS) sowie für Aidskranke (Verein Lighthouse).

Entwicklung der Gassenarbeit bis heute

Einzelne Projekte konnten später aufgegeben oder in andere Hände gelegt werden. So wird der Mascara-Bus seit 2003 als La-Strada-Bus unter Leitung des Contact-Netz geführt.

Andere werden – wie auch die Einzelhilfe – bis heute weitergeführt, z.B. die Frauenzeitschrift Mascara und die Freierarbeit im Projekt Don Juan.

Neues kam hinzu, z. B. das Wohnprojekt Hundehütte und das Projekt Gassentierarzt.

2011 wurde der KGB in einer professionellen Evaluation bestätigt: Trotz Abnahme der öffentlichen Präsenz der Gassenszene leistet sie mit ihrem parteilichen und niederschwelligen Ansatz weiterhin notwendige und gute Arbeit.

Am 31. Mai 2013 feiert die KGB ihr 25-jähriges Jubiläum.


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